Im Rahmen des zweiten Treffens, das der dänischen und grönländischen Literatur gewidmet ist, wird sich die Lesegruppe mit dem dystopischen Roman „L'uomo che voleva essere colpevole“ von Henrik Stangerup auseinandersetzen.
Kopenhagen, ein ganz gewöhnlicher Abend, eine Wohnung wie viele andere: Ein Mann tötet nach einem heftigen Streit seine Frau. Eine Geschichte wie viele andere. Doch die Handlung spielt in einer nahen Zukunft und in einer Gesellschaft, die dem Idealbild der skandinavischen Sozialdemokratie sehr ähnelt, nur gerade so weit verzerrt, dass sie universeller wirkt. Der Staat, der sich „von der Wiege bis zur Bahre“ um das Gemeinwohl kümmert, hat sich in einen Käfig des Konformismus verwandelt, ein Reich des Konsenses und der Euphemismen, in dem alles geplant und verpflichtend ist, einschließlich des Glücks. Und da Mord nichts anderes ist als unzureichende soziale Anpassung, wird Torben, der Mörder, einer psychiatrischen Behandlung unterzogen und wieder auf freien Fuß gesetzt. Doch entgegen den Regeln eines Systems, das individuelle Verantwortung leugnet, beharrt Torben darauf, für seine Tat verurteilt und bestraft zu werden.
Henrik Stangerup (1937-1998) war ein dänischer Schriftsteller. Er arbeitete als Romanautor, Journalist, Essayist und Filmregisseur. Kennzeichnend für sein Werk sind die internationale Orientierung und eine ablehnende Haltung gegenüber intellektuellem Konformismus jeder Art. 1981 erhielt Stangerup den dänischen Kritikerpreis für seinen Roman Vejen til Lagoa Santa, 1982 den „Prix Amalienburg“ für sein schriftstellerisches Gesamtwerk. 1986 wurde er mit dem Großen Preis der Dänischen Akademie ausgezeichnet.
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